Biografie

 

Stefan Hertmans im Gespräch

“Schaffen wir’s nicht, schafft’s keiner in Europa“
Von Gerrit Bartels
Der belgische Schriftsteller Stefan Hertmans über die Lage in Brüssel und die Kompromissvirtuosität seiner Landsleute.

Herr Hertmans, seit den Terroranschlägen in Paris ist der Brüsseler Stadtteil Molenbeek in aller Munde, als Keimzelle des Terrors, weil einige der Attentäter von hier kamen. Sie leben nur wenige Kilometer entfernt von Molenbeek. Was ist dort schiefgelaufen?
Zunächst muss man sagen, dass es das eine Molenbeek gar nicht gibt. Es gibt einen mehr bürgerlichen, wenn sie so wollen: gentrifizierten Teil, in dem auch Freunde von mir wohnen. Und eine eher heruntergekommene Gegend. Die Probleme dort fingen schon an, als die U-Bahn gebaut wurde. In Molenbeek war das eine städtebauliche Katastrophe. In die unattraktiven Straßenzüge, durch die die U-Bahn gezogen wurde, quartierte man die Einwanderer aus dem Maghreb ein: die erste Generation, die noch sehr passiv, sehr ruhig war, und die zweite Generation, die dann Läden und Restaurants eröffnete und das Viertel aufwertete. Richtig problematisch ist es mit der dritten Generation geworden, mit denen, die hier geboren sind, die einen belgischen Pass, aber trotzdem keine Chance haben.

Warum ist gerade diese Generation so ein Problem? Warum hat sie keine Chance?
Sie verstehen sich als Belgier, haben unsere Kultur, wollen Teil der Wohlstandsgesellschaft sein, werden daran aber gehindert. Allein ihr Name verhindert zum Beispiel, dass sie Jobs bekommen. Und dann hat man sie sich selbst überlassen, auf belgische Art: Wir sind tolerant, die schaffen das irgendwie. Dazu kommt: Wenn in Molenbeek viel investiert wurde, dann von Saudi-Arabien, in Form teurer Moscheen und fanatischer Imame, die die vernachlässigte Jugend radikalisierten, den Salafismus nach Belgien brachten. Petrodollars werden investiert in Brüsseler Moscheen, das ist bigotte Realpolitik, über die wir nachdenken sollten. Das Dritte ist natürlich das Internet, die Kontakte nach Syrien, zum IS – aus einem lokalpolitischen ist ein globales Problem geworden.
In Brüssel gilt gerade die höchste Terrorwarnstufe. Wie ist das für die Bewohner?
Solche Bilder hat es seit 1945 nicht mehr gegeben, mit den vielen bewaffneten Soldaten, den Panzerfahrzeugen, der Polizei überall. Mein Sohn kann nicht mehr an die Universität gehen, Schulen, Kindergärten sind geschlossen, die U-Bahn fährt nicht. Doch die Bevölkerung versteht das – und nimmt das auch mit Humor, was auch typisch belgisch ist: Viele Leute haben Katzenbilder ins Internet gestellt oder die Pfeife von René Magritte, unter der jetzt steht: „Ceci n’est pas Bruxelles.“
Sie haben geschrieben, dass man in Belgien lange Zeit sehr naiv gewesen sei. Versucht man dieser Naivität jetzt mit den Razzien und dem Terroralarm beizukommen?
Ja, einen der Drahtzieher hatte man schon einmal festgesetzt und wieder entkommen lassen, Abdelhamid Abaaoud, der in Saint-Denis getötet wurde. Die blöden Belgier, hieß es da. Das soll nicht wieder vorkommen. Was aber Belgier wie Franzosen gelernt haben, auch das meine ich mit Naivität: Frankreich endet nicht an der offiziellen belgischen, sondern an der flämisch-frankophonen Grenze. Terroristen denken nicht territorial, sondern arbeiten in Netzwerken. Französisch ist ihre Verkehrssprache, Brüssel eine Art Zwillingsstadt von Paris.

Wie unterscheiden sich die Banlieues von Paris von den Brüsseler Problemvierteln?
Die Unterschiede liegen in der kolonialen Vergangenheit. Die Belgier mussten die Kongolesen integrieren, was einigermaßen funktionierte, genau wie Polen oder Türken, die in verschiedenen Einwanderungswellen kamen. Mit den Maghrebinern war es anders, das wurde unterschätzt, deren politisch-historische Wurzeln liegen in Frankreich. Die französischsprachigen Maghrebiner verschwanden in Belgien praktisch vom Radar der Franzosen, die tauchten in Brüssel quasi unter. Dafür zahlen wir jetzt.
Also ist Belgien anfälliger für den Terrorismus als andere Länder?
Es ist schon ein gesamteuropäisches Problem. Aber die politische Gemengelage, das belgische Demokratieverständnis nach dem Motto: ,Ich mache, was ich will, du machst, was du willst, und wir lassen uns in Ruhe‘, diese Art Nachlässigkeitskultur, unsere Kompromissvirtuosität, gerade wegen der vielen Kulturen hier, bietet vielleicht einen idealen Nährboden. Gerade in Brüssel, wo die Verwaltungsverantwortung enorm komplex ist. Dazu kommen sich die beiden großen Sprachgruppen immer wieder ins Gehege, die Flamen und die Frankophonen.
Welcher Art sind diese Streitigkeiten?
Brüssel mit seiner hauptsächlich französischsprachigen Bevölkerung liegt mitten in Flandern, wo Niederländisch gesprochen wird, und breitet sich an den Rändern aus. Hier erheben sich dann die Frankophonen über die Flamen, die in ihren Augen noch immer rückständig, provinziell sind. Obwohl ja nicht zuletzt Descartes und Spinoza in die Niederlande geflüchtet sind, nicht nach Frankreich. Viele Frankophone kennen die niederländische Kultur noch immer nicht. Es gibt zwei Definitionen von Demokratie: Die Franzosen sagen, dass man das Recht hat, seine Muttersprache überall zu sprechen („droit de gens“) . Die Flamen dagegen sagen, dass man die Sprache des jeweiligen Sprachgebietes sprechen soll („droit de sol“). Die Frankophonen verachten territoriale Verabredungen über die Sprache aber als eine Art Blut-und-Boden-Politik. Das kann man lächerlich finden, als Palaverdemokratie bezeichnen, aber solche Auseinandersetzungen sind in mehrsprachigen Räumen nicht zu unterschätzen.
Sie haben einmal vom „vitalen, wirklich kosmopolitischen Charakter dieser unglaublich chaotischen Gesellschaft“ in Brüssel gesprochen. Bezieht sich das Chaotische auch auf Belgiens Regierungsfähigkeit?
Wir haben immerhin fünf Regierungen! Eine belgische Föderalregierung, eine flämische Regierung mit eigenem Parlament, eine französischsprachige, also wallonische, mit eigenem Parlament, genauso eine deutsche – und noch eine autonome Regierung nur für Brüssel wegen der vielen Sprachgruppen mitsamt eigenem Präsidenten, Rudi Vervoort, einem Frankophonen, der flämische Forderungen nach nur einem Brüsseler Bürgermeister ablehnt: Brüssel hat 19 Bürgermeister, 19 Gemeinden, sechs Polizeibehörden. Die Flamen fordern Zentralismus und Effizienz, die Frankophonen sind für Bürgernähe, das Kommunale. Dazu kommt das EU-Parlament mitsamt Institutionen und Wohngebieten, das EU-Nato-Brüssel, das nicht wirklich integriert ist und wie ein autonomes Viertel in der Stadt liegt, aber doch auch eine große Dynamik mit sich bringt. All das kann man chaotisch finden, funktioniert aber!
Leben Sie gern in Brüssel?
Ja, sehr gern, seit über 12 Jahren, gerade weil die Stadt so international, so globalisiert ist. Brüssel ist ein Labor für die Zukunft Europas. Wenn wir das nicht schaffen, schafft es niemand in Europa. Brüssel ist eine besetzte Stadt, und zwar in dem Sinn, dass sie wegen ihrer Internationalität niemandem wirklich gehört. Man kann sagen, dass sie immer wieder aufs Neue besetzt wurde, ich kann nie sagen, ich gehe in meine Hauptstadt, es gibt keine klare nationale Identität. Identität bedeutet hier, dass es keine gibt – aber alle sind aus Brüssel.
Werden nationalistische Gruppierungen wie der Vlaams Belang nun noch stärker werden?
Das glaube ich nicht. Der Separatismus der Generation der heute 40- bis 50-Jährigen wird allmählich verschwinden, die Jungen denken wieder pro-belgischer. Es kommen viele Flamen zum Beispiel gerade nach Brüssel, weil es so international, so multikulturell ist. Es gibt eine wachsende Differenz zwischen den Flamen in der Provinz und denen in Brüssel. Separatismus ergibt keinen Sinn: nicht wirtschaftlich, nicht kulturell. Man kann Belgien nicht spalten, weil man Brüssel nicht spalten kann, denn es vergegenwärtigt viele Ethnien, Gruppierungen und Viertel, und es geht trotzdem gut.
Wie gehen die muslimischen Gemeinden mit dem Terror um, mit dem Verdacht, dem sie jetzt aktuell ausgesetzt sind?
Es gibt gerade eine gegenläufige Entwicklung. Wir diskutieren über die Integration, über die Maghrebiner, deren Hass auf unsere Institutionen. Das Ganze war jetzt ein Weckruf, keine Frage. Manche Leuten fragen, ob die Schengen-Zone, die Genfer Konvention, der freie Verkehr von Menschen und Gütern noch zulässig sind. Doch viele tausende Muslime haben in Frankreich und Italien gerade gegen den Salafismus demonstriert. Der europäische Islam beginnt sich zu organisieren, zu Wort zu melden. Meine Angst ist, dass die Muslime nicht genug Zeit für ihre Emanzipation bekommen, gerade im Verhältnis zu der retrograden Entwicklung auf unserer Seite, dem Sicherheitsbedürfnis, möglichen Terrorgesetzen, neuen Überwachungsmaßnahmen etc.
Wird sich Brüssel verändern nach den Terroranschlägen in Paris?
Der Bauer pflügt immer weiter. Das Alltägliche, das Rationale gewinnt. Es gibt Katastrophen, aber die Menschen müssen weiterleben. Und man kann nicht nur überleben, man muss auch leben. Die Belgier sind pragmatisch – ein Belgier ist kein Citoyen wie der Franzose. Wir sind nur halbe Bürger, wir haben Distanz zum offiziellen Belgien, eine groteske, ironische Distanz, die gut ist für eine Demokratie, die wachhält. Aber es ist trotzdem unser Leben, das wir wie bisher führen wollen, das wir uns von den Salafisten und Terroristen nicht kaputt machen lassen wollen.
Das Gespräch führte Gerrit Bartels.
Der flämische Lyriker und Schriftsteller Stefan Hertmans wurde 1951 in Gent geboren und lebt in Brüssel. Auf Deutsch erschien von ihm zuletzt der Roman „Der Himmel meines Großvaters“ (Hanser Berlin). Hertmans ist gerade Gastautor am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der FU Berlin, zusammen mit Terézia Mora. Am heutigen Mittwoch, den 25.11., diskutieren sie im Literaturhaus (20 Uhr) zum Thema „Was und wie spricht Europa?“.

 

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ZU NAH DRAN

Von Stefan Hertmans

Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München

Mit der beschämenden und absurden Äußerung des französischen Meinungsmachers Eric Zemmour, Frankreich solle statt Raqqa lieber die Brüsseler Gemeinde Molenbeek bombardieren, hat die endlose Reihe hysterischer Kommentare der vergangenen Woche
ihren Tiefpunkt erreicht.
Tatsache ist, dass französische Journalisten und Politiker die Brüsseler Randgemeinde
als Brutstätte des Terrorismus bezeichnet haben und in ihrem Kielwasser die gesamte internationale Presse. Die buntzusammengewürfelte, multikulturelle Gemeinde Molenbeek wurde plötzlich zu Europas Hauptstadt des Dschihadismus, ein lebensgefährlicher Ort, eine städtische Hölle.
Was ist schiefgegangen in Molenbeek?, titelten die flämisch-und französischsprachigen
belgischen Zeitungen. Und sofort war auch der Schuldige gefunden: der ehemalige
Bürgermeister, der französischsprachige Sozialist Philippe Moureaux. In seiner zwanzigjährigen Amtszeit von 1991 bis 2011 soll alles schiefgegangen sein: Er soll sich schamlos des politischen Klientelismus schuldig gemacht haben, indem er Migranten Sozialwohnungen für einen Spottpreis überließ; indem er regelmäßig Jugendliche maghrebinischer Herkunft auch für den öffentlichen Dienst anwarb; er soll die allochthonen Mitglieder seiner Gemeinde ausschließlich im Hinblick auf die Wahlen an sich gebunden haben, um seine Macht zu festigen; er soll in linker Naivität geglaubt haben, er praktiziere Integrationspolitik, während er in Wirklichkeit fahrlässig handelte und die Augen vor derTatsache schloss, dass statt einer integrierten Gemeinschaft nur ein Ghetto entstand; dass es bereits Viertel gab, die zur No-go-Area für die Polizei geworden
waren, wo Abrechnungen im kriminellen Milieu stattfanden und in die sich die übrigen
Bewohner nicht mehr trauten. Kurzum, er habe die ganzeMisswirtschaft verschuldet, und die heutige Bürgermeisterin Françoise Schepmans habe dieses Erbe „linker Korruption“ nicht rechtzeitig zum Guten wenden können.Letztere, die neue Bürgermeisterin von
Molenbeek, ist liberal-konservativer Prägung und wird von politischen Schwergewichten
unterstützt. Bei diesem Konflikt könnte es also auch um eine politische Kraftprobe zwischen frankophonen, Liberalen und Sozialisten gehen. In den vergangenen Tagen wurde der betagte Moureaux von Journalisten belagert. Er verteidigte seine Politik bissig und polemisch, stellte eine konservative Verschwörung gegen seine jahrelangen Bemühungen um Integration fest und zeigte mit dem Finger auf die Presse – vor allem auf die kritische Presse der Flamen.
Dieser augenscheinlich banale, lokale Konflikt gehört jedoch in einen größeren
politischen Rahmen.Seit Jahrzehnten können Flamen und frankophone Brüsseler
sich nicht darauf einigen, wie die Region der Hauptstadt – die eine eigene Regierung
und große Verwaltungsautonomie hat – regiert werden soll. Brüssel hat nämlich nicht einen, sondern neunzehn Bürgermeister: Jede Teilgemeinde hat ihre eigene Stadtverwaltung. Dieses Patchwork datiert aus einer Zeit, als Brüssel noch nicht
die internationale Metropole und autonome Region war, die es heute ist; in Belgien
spricht man von den „Brüsseler Baronien“.
DieFrankophonen verteidigen diese zerbröckelte Organisation mit dem Argument, die Gemeinden könnten so bürgernah bleiben und kommunal viel feinmaschiger regieren. Die Flamen prangern die mangelndeTransparenz an, die hohen Kosten für den Steuerzahler durch die unzähligen Stadträte und Bürokraten, die Gefahr des Klientelismus und das Fehlen einer Zukunftsperspektive für die ganze Stadt. Beide Parteien behaupten, es gehe ihnen um mehr Demokratie: Die Flamen, indem sie Zentralisierung und Effizienz fordern,
die Frankophonen, indem sie für Diversität und Kommunalpolitik plädieren. Bis vor ein paar Jahren hatte jede Gemeinde auch noch ihre eigene Polizeibehörde. Es kam bei Einsätzen regelmäßig zu Spannungen. Der Polizeidienst wurde inzwischen umstrukturiert, aber es gibt immer noch sechs Behörden–auch das ein Dorn im Auge der rationaler denkenden Flamen, die diese Situation nicht nur für unproduktiv halten, sondern darin auch einen Beweis für das Versagen der Politik der angeblichen Bürgernähe sehen. Kurz und gut, die ganze Diskussion über die Radikalisierung der Molenbeeker Jugend passt in die endlosen Streitigkeiten über die Regierbarkeit des Labyrinths Brüssel.
Gestern noch teilte der französischsprachige Brüsseler Ministerpräsident Rudi Vervoort mit, er verspreche sich rein gar nichts vom Vorschlag des flämischen Innenministers Jan Jambon, der in der Presse großspurig angekündigt hatte, er werde in Brüssel „Ordnung schaffen“. Die Lage ist also auf höchstempolitischem Niveau festgefahren.
Aber ist es denn wirklich so schlecht bestellt um Molenbeek? Ich kann mich dort
immer noch normal bewegen, Maghrebiner und Belgier bevölkern die Straßen wie
in jedem multikulturellen Viertel, in den Straßencafés sitzen nordafrikanisch aussehende,
aber in Belgien geborene Männer, die im Satellitenfernsehen Fußball schauen, und das Leben geht seinen alltäglichen, typisch Brüsseler Schlendrian.
Nicht, dass die Einwohner nicht zutiefst schockiert wären: Sogar der Bruder des gesuchten Terroristen Salah Abdeslam, Mohammed, sagte der Presse, es sei ihm ein Rätsel, was in seine beiden Brüder gefahren sei – der eine ist flüchtig, und der andere sprengte sich im Pariser Café Voltaire in die Luft – und seine Familie habe, soweit er wisse, keinerlei dschihadistische Sympathien. Mohammed arbeitet übrigens bis heute für den Molenbeeker Migrationsdienst – von Moureaux seinerzeit angestellt.
Niemand wird bestreiten, dass die komplexe Verwaltungsstruktur von Brüssel zum heutigen Patt beigetragen hat, aber das ist, zumal international gesehen, nicht die ganze Antwort. Schon am ersten Tag nach den Pariser Anschlägen wurde deutlich, dass eine direkte Spur nach Molenbeek führt, aber kurz darauf erfuhren wir auch, dass eine Reihe der dort untergetauchten Dschihadisten einen französischen Pass hat. Auf der Suche nach dem Drahtzieher der Anschläge, dem inzwischen getöteten Abdelhamid Abaaoud, hat die französische Polizei eine Wohnung in der Pariser Vorstadt Saint-Denis gestürmt.
Abaaoud steckte auch hinter den vereitelten Anschlägen in Verviers, eine Aktion, für die die belgische Polizeiweltweit Anerkennung fand. Aber damals entwischte er ihnen. Wer weiß, vielleicht lenkte er auch den Angreifer auf den Thalys von Amsterdam nach Paris Mitte August, der von zwei amerikanischenSoldaten überwältigt wurde.
Alles deutet darauf hin, dass die Verbindung zwischen Dschihadisten in Paris und
Brüssel stärker geworden ist und dass die Polizei sowohl in Frankreichalsauchin Belgien
vor der gleichen Herausforderung steht. Wo also haben die belgischen Geheimdienste versagt, dass wir immer wieder lesen, Molenbeek sei ein Teil des Problems der Franzosen mit terroristischen Bewegungen?
Ich glaube, dass wir es hier mit einer Frage zu tun haben, die bisher in den Medien nicht zur Sprache gekommen ist: Das französischsprachige Belgien und zumal Brüssel sind fast integraler Teil der frankophonenWelt, haben aber nicht die gleiche postkoloniale kulturelle Verbindung zur arabischenWelt wie Frankreich. Mit anderenWorten:
Die Belgier waren naiv, sie waren nicht darauf vorbereitet, dass sich die sozialen Probleme der Banlieues, ein Erbe, das bis zum Algerienkrieg zurückreicht, in das französischsprachige Belgien exportieren würden, wo ehemalige Syrienkämpfer
aus Frankreich leichter vom Radar der Polizei verschwinden können.
Die flämischen Marokkaner in Antwerpen und Vilvoorde, wo Radikalisierung
auch vorkommt und von wo eine Reihe von Jugendlichen nach Syrien gezogen sind, haben letztendlich eine andere kulturelle Ausrichtung; man weiß noch nicht genau, wie
frankophone und flämische Dschihadisten aus dem Maghreb Kontakte unterhalten.
Das ist noch ein blinder Fleck,weil wir nicht wissen, ob auch quer durch die maghrebinische Gemeinschaft eine Art belgische Sprachgrenze verläuft. Ein aufschlussreiches Detail ist, dass Salah Abdeslam Anfang des Jahres mit weichen Drogen im Auto erwischt wurde, als er von Groningen nach Belgien zurückfuhr. Er und sein Bruder Ibrahim wurden übrigens damals von der Brüsseler Polizei verhört; sie wurden als ungefährlich eingestuft.
Die Verbindung zwischen Brüssel und Paris ist in den vergangenen Jahren bedeutend
intensiver geworden: In der reichen Brüsseler Oberstadt um die Avenue Louise haben sich immer mehr wohlhabende Pariser niedergelassen. Der Thalys bringt sie in 75 Minuten von Brüssel Midi zum Pariser Nordbahnhof; es ist einfach, in Brüssel zu wohnen und in Paris zur Arbeit zu gehen – nach Lyon dauert es von Paris aus länger. Aber das bedeutet ebenfalls, dass sich die beiden Städte auch am unteren Rand der Gesellschaft verflechten. Es erklärt die engen Bande zwischen Dschihadisten in Saint-Denis undMolenbeek: Die Autobahn ist offen, im Schengen-Gebiet gibt es keine Grenzkontrollen mehr. Sowohl in Belgien als auch in Frankreich war man sich nicht genug bewusst, dass sich für frankophone Dschihadisten die frankophone Welt bis zur Grenze mit Flandern erstreckt.
Es ist kein Zufall, dass Abdeslam kurz nach den Anschlägen an der belgischen Grenze aufgegriffen wurde. Es ist also für Dschihadisten sicherer und praktischer, von Brüssel aus Terrorattacken zu planen und sie in Paris auszuführen. Die Lektion für Brüssel ist hart, aber auch Frankreich ist nicht unschuldig: Man hat viel zu spät erkannt, dass die polizeiliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern sehr viel enger und systematischer sein muss, weil mit der raschen Globalisierung Brüssel und Paris auf dem Wege sind, Schwesterstädte zu werden, ob sie es wollen oder nicht. Die Lässigkeit, mit der in der Vergangenheit damit umgegangen wurde, muss aufgegeben werden. Innenminister Jambon führt intensive Beratungen mit seinem französischen Kollegen Cazeneuve.
Selbstredend wurde in manchen flämischen sozialen Medien gewettert, alles sei die Schuld der Wallonen, der Linken, der Sozialisten. Schon seit Jahrzehnten hätten sie vorausgesehen, dass die Integration scheitern würde, dass wir durch die Dummheit
der Idealisten in eine Kriegssituation geraten seien.
Das ist natürlich auch wieder übertrieben, aber es ist eine Tatsache, dass die Diskussion sich polarisiert. Einerseits wird betont, der heutigen Radikalisierung der dritten Generation liege latenter Rassismus zu Grunde, dazu soziale Gleichgültigkeit, fehlender Zugang zum Arbeitsmarkt, schlechte Ausbildung. Vertreter dieser Ansicht plädieren
für eine schnellere, bessere Integration, sie sperren sich gegen jede Kriegsrhetorik, weil sie nur zu weiterer Radikalisierung beitrage.Andere wollen „das Problem mit Stumpf und Stiel ausrotten“, sie behaupten, gerade die große Toleranz sei der Grund allen Übels. Man gibt sich martialisch.
Das tut auch Frankreichs Präsident François Hollande unter dem Druck eines großen Teils der Bevölkerung und von der rechtsextremen Marine Le Pen.
Die Politiker in Brüssel sitzen in dieser Debatte zwischen zwei Stühlen, sie wissen sich keinen Rat mit der Internationalisierung des Molenbeeker Problems. Wie sollen sie mehr Integration fördern, für eine offene Gesellschaft plädieren und doch angemessen auf das Problem reagieren, ohne eine verletzliche Bevölkerungsgruppe weiter zu radikalisieren? Wie sollen sie das Brüsseler Regierungsproblem auf eine bessere Kontrolle sich radikalisierender Gruppen zuschneiden?
Mit anderen Worten: Alle Diskussionen handeln von genau der Problematik, wie sie sich unter Philippe Moureaux entwickelt hat. Mit dem Unterschied, dass für die Situation in der Brüsseler Vorstadt Molenbeek nicht länger ausschließlich eine schwer zu verwaltende Gemeinde verantwortlich ist, sondern dass wir es hier auch mit einem internationalen geopolitischen Problem zu tun haben. Dabei wird immer deutlicher,wie verhängnisvoll der Einfluss Saudi-Arabiens ist, eines heuchlerischen Regimes, das belgischen Politikern und
Großindustriellen nur zu gern die Hand schüttelt, mit der anderen Hand aber den Salafismus in unseren Problemvierteln mit Petrodollars sponsort, seine fanatischen
Imame auf eine verlorene Generation loslässt, der sie in Moscheen Hass und Fanatismus predigen, als tödliches Gegengift zu einer unzulänglichen Integrationspolitik.
Das Brüsseler Molenbeek, fast eine Vorstadt vonParis, ist ein Modell der heutigen
kontroversen Geopolitik. Die unter dem Ansturm ausländischer Journalisten leidenden Einwohner Molenbeeks geben inzwischen Führungen,um zu zeigen, dass sie ihre Gemeinde lieben.
Stefan Hertmans wurde 1951 in Gent geboren. Er lebt heute in der Nähe von Brüssel. Zuletzt erschien von ihm der Roman „Der Himmel meines Großvaters“ (Hanser Berlin). Aus dem Flämischen von Christiane Kuby und Herbert Post.

Von Stefan Hertmans

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DAS HAUS IM SUMPF

Artikel Süddeutsche Zeitung
(Übersetzung von Thomas Kirchner).

© Stefan Hertmans
Ein bekannter Brüsseler Witz geht so: In einer Kneipe sind sich betrunkene Flamen und Wallonen in die Haare geraten. Brüllerei hin und her, die Sache droht aus dem Ruder zu laufen. Die Polizei kommt, ein Beamter springt aus dem Wagen und ruft: Los los, bewegt euch, Flamen nach rechts, Wallonen nach links. Ein Mann in einer Dschellaba bleibt in der Mitte der Straße stehen.
Und, schreit der Polizist, was machst du da? Ich bin seit heute Belgier, sagt der Mann stolz und hält seinen neuen Ausweis in die Höhe.
Als ich vor ein paar Jahren im Büro eines befreundeten Schriftstellers arbeiten durfte und wegen des schönen Wetters das Fenster öffnete, hörte ich auf der Straße, soweit ich das unterscheiden konnte, Lingala, Swahili, Berberisch und Arabisch. Ein paar Stadtviertel weiter stritten unsere Politiker über die Probleme zwischen Flamen und Wallonen, die sie aber nie gelöst bekommen. Derweil lautet der am häufigsten verwendete Jungen-Name in Brüssel schon seit einigen Jahren Mohammed, nicht Jan oder Jean. Sagen wir es so: Wie der ganzen Europäischen Union ist den Belgiern nicht mal halbwegs bewusst, in welchem Ausmaß Brüssel eine Zukunft vorwegnimmt, auf die sie kaum vorbereitet sind.
Dieses Brüssel von heute ist eine lebendige, etwas chaotische, aber kulturell und soziologisch äußerst vielfältige Stadt, die einige flämische Zeitungen noch immer als Chicago an der Senne beschreiben, voll Mord und Totschlag und kriminellen Jugendlichen. Ich selbst finde, es ist eine zurückhaltende, gemütliche Stadt, mit einem überwältigenden Angebot an Hochkultur und feinen Genüssen. Was auch daran liegt, dass ich das Angebot nutze. Oft höre ich Ausländer sagen: Ich verstehe Brüssel einfach nicht. Im einen Moment läufst du durch eine prächtige Straße, im nächsten landest du in einer stinkenden Gasse oder vor einem chaotischen Trümmerhaufen, um danach auf einen netten kleinen Park zu stoßen, in dem dubiose Typen gerade am Dealen sind. Und drei Straßen weiter triffst du auf die vornehmen Bürgerhäuser rund um die Weier von Ixelles, wo die Lichter edel gedimmt sind, die Gespräche leise und kultiviert. Zu Brüssels Identität gehört, dass es keine klare Identität hat, was ich in regelmäßigen Abständen bezaubernd finde oder, wenn ich mal wieder eine Geschichte über urbanistische Verluderung/Schandtaten höre, zum Verzweifeln.
In der Unterstadt wohnen die “neuen Belgier”, die Glückssucher und die Asylsucher. In der Gegend um das Kaaitheater am Westende und der berühmten Rue Dansaert haben sich die hippen Flamen niedergelassen und das Viertel gentrifiziert. Sie sprechen drei oder vier Sprachen, sie sind der multikulturelle Schmelztiegel Brüssels, aber sie strahlen auch Erfolg, Wohlstand und Zufriedenheit aus. Sie wohnen im reichen Teil der Rue Dansaert, die nicht zufällig auf das massive Gebäude der Börse zuläuft. Am anderen Ende, Richtung Kanal, sieht die Straße ganz anders aus: Handyläden, Nachties (night shops), abgeblätterte Fassaden, Geschäfte mit exotischen Lebensmitteln, Cafés, in denen nicht Bier oder Wein, sondern Wasser oder Tee ausgeschenkt werden. Kaum hundert Meter weiter, den Kanal hinüber nach Molenbeek, leben arbeitslose Jugendliche aus der dritten Generation Nordafrikaner in der Nachbarschaft von coolen Unternehmern, Filmemachern, Künstlern. Und wer am Sonntag über den riesigen Markt am Bahnhof Midi spaziert, wähnt sich im Herzen des Maghreb, während ein paar hundert Meter weiter Begüterte rund um die Kapellenkirche nach Antiquitäten stöbern und auf dem Vossenplein-Flohmarkt Musiker und Trödler Schulter an Schulter stehen.
In der Oberstadt, in der Nähe der schicken Avenue Louise, lebt eine ganz andere Klasse: die Reichen Europas, die progressiven Einwanderer aus Paris, Galeristen, Modemacher. Aber gar nicht weit liegt auch das gemütliche afrikanische Viertel Matonge, das an Belgiens koloniale Vergangenheit erinnert. Im Europaviertel wiederum quälen sich Autos und Taxis in trägen Schlangen durch die Straßen, durch die der Wind pfeift wegen der vielen Hochhäuser. Da begegnen sich gehetzte Journalisten und Politiker. Vom alten Quartier rund um den Bahnhof Luxembourg und seinen netten Bewohnern ist nichts mehr übrig. Der urbanistische Kahlschlag, den der Modernismus der sechziger Jahre verbrochen hat, lässt viele offene Wunden sehen. Die größte Wunde ist das Europäische Parlament. Mit dem pulsierenden Leben in Brüssel hat dieses unpersönliche Viertel nichts zu tun, sie erinnert an die desolate Neutralität des Flughafens, der einem genauso wenig erzählt über die Stadt, in der man gelandet ist. Vergessen wir nicht, wie viele reiche temporäre Bürger die Europäische Union hier her führt. Auch sie machen Brüssel zur wohl vielschichtigsten und internationalsten Stadt des Kontinents.
Wenn ich im Ausland erzähle, dass ich aus Brüssel komme, höre ich immer
wieder: “Brüssel”, mein Herr, ist schuld an all unseren Problemen. Ich versuche dann zu erklären, dass das konkrete Brüssel, in dem ich wohne, auch unter dem europäischen Brüssel zu leiden hat, und dass Letzteres, das abstrakte “Brüssel”, das wie ein Vorwurf klingt, eigentlich nicht uns Belgiern gehört, sondern Merkel und Hollande. Und dass wir Belgier uns in Brüssel oft wie Besetzte fühlen, im Schatten Europas mit seinen bleischweren, teuren Beamten. So schieben wir einander die Schuld zu an diesem geisterhaften Phänomen “Brüssel”.
Wer die komplexe Demografie dieser Stadt betrachtet, kommt ins Grübeln, was ihre Identität eigentlich ausmacht. Dieser Nicht-Ort, dieser Kampfplatz unterschiedlicher Geschwindigkeiten, politischer und gesellschaftlicher Realitäten, von Empfindlichkeiten und Frustrationen, von Inspiration und Wachstumspotenzial, das nicht genug gewürdigt wird, dieser Haufen Widersprüche, diese Stadt, die unmöglich auf einen Nenner gebracht werden
kann: Das ist genau das Brüssel, das ich liebe. Im apokalyptischen Tonfall von Karl Kraus könnte man sagen: Brüssel ist das Labor für den Untergang des alten Europa.
Während der europäische Beamtenapparat immer schwerfälliger und größer wird, kaum Steuern zahlt, umsonst mit dem Zug fährt und Entschädigung auf Entschädigung stapelt, werden die Diskussionen über demokratische Werte sophistischer, klopfen Zehntausende ratlose Menschen an unsere Türen, auf der Flucht vor Gewalt, die niemand zu zähmen weiß, können Banken in Not zwar mit Milliarden an Steuergeld gerettet werden, nicht aber ein Land am Rande des Abgrunds, wo die Menschen weinend vor leeren Geldautomaten stehen, während unsere Minister für Integration die realen Folgen der weltweiten Migration klein reden, den angstvollen Blick ausschließlich auf ihre verschüchterten weißen Wähler gerichtet und auf die Vergangenheit. Länder, die für sich sonst gern europäische Solidarität in Anspruch nehmen, fordern nun, Griechenland solle ersticken und Italien das Flüchtlingsproblem gefälligst alleine lösen. Ist die europäische Idee bankrott, und steht “Brüssel” nur noch für die negativen Seiten eines Traums von demokratischer Stabilität, der einmal so schön begonnen hat?
Niemand erinnert sich daran, aber begonnen hat Brüssel als ein Haufen Häuser in einem Sumpf. Bruocsala hieß es ursprünglich. Bruoc ist Frühgermanisch für Bruch, eine niedrige, feuchte Weide, und sala oder sella ist verwandt mit Saal, also Häusern. Dieses Haus im Sumpf des Sonienwalds war von Beginn an ein hybrider Ort, ein Punkt, an dem die germanische und die lateinische Kultur in einander übergingen. Die Folge war eine polyglotte Mischkultur, die Bestand hatte bis zur Gründung des hybriden Belgiens im Jahr 1830. Der Komponist Orlando di Lasso, der im sechzehnten Jahrhundert lebte, war schon ein richtiger Belgier: Er sprach und schrieb in vier Sprachen durcheinander.
Obwohl flämische Nationalisten uns noch immer glauben machen wollen, dass Brüssel vor allem die Hauptstadt Flanderns sei, machen sie der Stadt jegliche Beihilfe streitig, um den frankophonen “Profiteuren” bloß kein Geld zu geben. Diese Schizophrenie ist Teil der belgischen Demokratie, sie ist frustrierend, aber sie hält unsere Debatten über Identität auch lebendig und nuanciert. In diesem Sinne glaube ich wirklich, dass die Nüchternheit und Klarheit, die Herman Van Rompuy, den ersten Präsidenten des Europäischen Rats, auszeichneten, von der Tatsache rühren, dass er ein Bewohner dieser Region ist. Darum konnte er auch als Gegenbild dienen zu all den Macho-Politikern, die nur von ihren nationalen Eigeninteressen getrieben werden. Van Rompuy setzte sich ab von der Wichtigtuerei populistischer Führer. Er wohnt noch immer am Rand von Brüssel, der europäischen Region, die sich demografisch am schnellsten verändert. In ebendieser Region fühle ich mich zuhause. Ich weiß, dass identitäre Nostalgie zu nationalistischer Regression führt, und wie man sich der kommenden Hybridität der europäischen Identität positiv öffnet, das kann man hier jeden Tag auf der Straße lernen.
Das Haus steht aufrecht im Sumpf, weil seine Bewohner gelernt haben, auf instabilem Grund zu leben. Das ist eine Errungenschaft, auf die die Belgier stolz sein sollten, statt nostalgische Diskussionen zu führen, die keiner braucht. Brüssel sollte stolz sein auf seine Offenheit, auf seine Fähigkeit, über Kleinigkeiten ewig zu verhandeln, auf seine Palaverdemokratie. Denn was auch immer man in der ausländischen Presse oft über Brüssel höhnt: Dieses hybride Land im Herzen Europas kennt keine politischen Morde, es kennt nur den Wettstreit der Worte. Und das macht letztlich alle Beteiligten zu besseren Demokraten. Das abstrakte “Brüssel” hat noch viel zu lernen vom konkreten, lebendigen Brüssel.
— Stefan Hertmans

 

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Der Himmel meines Großvaters

Roman – übersetzt aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm
Erscheinungsdatum: 25.08.2014
Fester Einband, 320 Seiten
mit zahlreichen s/w-Abbildungen

Preis: 21,90 € (D) / UVP 29,90 sFR (CH) / 22,60 € (A)

ISBN 978-3-446-24643-0
Hanser Berlin

“Man kann alles, wenn man will!”, sagt der alte Mann zu seinem Enkel und schwingt sich in den Kopfstand. Die wahre Willenskraft seines Großvaters begreift Stefan Hertmans jedoch erst, als er dessen Notizbücher liest, und beschließt, den Roman dieses Lebens zu schreiben. Eindringlich beschwört er eine bitterarme Kindheit in Belgien, zeigt den 13-Jährigen, wie er bei der Arbeit in der Eisengießerei davon träumt, Maler zu werden, und stattdessen im Ersten Weltkrieg an die Front nach Westflandern gerät. Dass der Mann, der dieses Grauen überlebt, fast am Tod seiner großen Liebe zugrunde geht, ist eines der Geheimnisse, denen der Enkel auf die Spur kommt. Mit seiner Hommage an den Großvater ist Hertmans ein grandioser Roman gelungen.

  • Stefan Hertmans

    Buchpremiere | 18.09.2014 | 19.30 Uhr
    Stefan Hertmans’ Hommage an den Großvater im Kopfstand – Premiere! (zum Buch)
    Ort: Haus der Berliner Festspiele, Literaturen der Welt, Schaperstr. 24, 10719 Berlin
    Veranstalter: Internationales Literaturfestival Berlin -Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V., Chausseestraße 5, 10115 Berlin
    Webseite des Veranstalters: https://www.berlinerfestspiele.de/

  • Stefan Hertmans

    Stefan Hertmans

    Lesung | 26.09.2014 | 20.00 Uhr
    Hommage an den Großvater vor dem Panorama einer untergegangenen Welt (zum Buch)
    Ort: Saarlandmuseum, Bismarckstraße 11, 66111 Saarbrücken
    Veranstalter: Saarlandmuseum und Buchhandlung St. Johann, Kronenstr. 6, 66111 Saarbrücken
    Webseite des Veranstalters: www.saarlandmuseum.de

  • Stefan Hertmans

    Stefan Hertmans

    Lesung | 11.11.2014
    Stefan Hertmans liest ” Der Himmel meines Großvater” (zum Buch)
    Ort: Belgisches Huis , Cäcilienstr.46, 50667 Köln, Altstadt-Süd
    Veranstalter: Universität Köln, Institut f. Niederlandistik, Lindenthalgürtel 15a, 50935 Köln

  • Stefan Hertmans

    Stefan Hertmans

    Lesung | 12.11.2014 | 19.00 Uhr
    Stefan Hertmans über den Himmels seines Großvaters (zum Buch)
    Ort: Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Casino 1.802, 60629 Frankfurt/Main
    Veranstalter: Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Lektorat Niederländisch – Raum 1.211, Grüneburgplatz 1, , 60629 Frankfurt/Main
    Webseite des Veranstalters: www2.uni-frankfurt.de/41138070/niederllaendisch

 

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