Stefan Hertmans

Stefan Hertmans’ neuer großer Roman

Die Fremde

erscheint Februar 2017 beim Hanser Berlin Verlag

 Stefan Hertmans

Die Fremde

Ein historischer Roman über eine zeitlose Erfahrung: das Leben auf der Flucht.

Als Stefan Hertmans erfährt, dass seine zweite Heimat, der Ort Monieux in Frankreich, vor tausend Jahren Schauplatz eines Pogroms durch die Kreuzritter war, begibt er sich auf Spurensuche. Unter den Überlebenden soll eine junge Frau christlicher Herkunft gewesen sein. Diese historisch verbürgte Figur lässt ihn nicht mehr los, er tastet sich erzählend an ihr Leben heran. Vigdis nennt er die Frau, die für die Liebe zum Sohn des Rabbi ihre Existenz aufs Spiel setzt und zu Hamutal wird, die alles verliert und ganz allein nach Jerusalem aufbricht. Mit seiner grandiosen literarischen Rekonstruktion dieser Geschichte von Liebe, Gewalt und religiöser Verfolgung ist Hertmans ein erschreckend gegenwärtiger Roman gelungen.

Hanser Berlin Verlag, Februar 2017

 

Stefan Hertmans in Lit.Cologne:

Kulturkirche Köln, 13. März

Der gefeierte flämische Autor Stefan Hertmans („Der Himmel meines Großvaters“) erzählt in “Die Fremde” die erschütternde Geschichte einer Flucht aus dem 11. Jahrhundert. Eine junge Normannin verliebt sich in einen Juden und flieht mit ihm vor dem geifernden Antisemitismus. Ein großes, ein wichtiges Buch, geschrieben in einer ergreifenden Sprache, in der lyrische Zartheit und brutale Härte zusammenkommen.
Mod.: Christian Schärf, dt. Text: Ulrich Noethen
VVK € 16 | 12 (erm.); AK 21

 

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Stefan Hertmans
Der Himmel meines Großvaters
Roman. Übersetzt aus dem Niederländischen
von Ira Wilhelm
320 Seiten. Gebunden
€ 21,90 (D) / sFr 29,90 / € 22,60 (A)
ISBN 978-3-446-24643-0
Erschienen am 25. August 2014

 

 

Mit den erzählerischen Mitteln eines Sebald und der farbigen Sinnlichkeit der alten Meister erzählt Stefan Hertmans das Leben seines Großvaters, das parallel zur Tragödie eines Jahrhunderts verlief. Es gelingt ihm, nicht nur den Helden seiner Kindheit zum Leben zu erwecken, sondern eine ganze versunkene Epoche.
„Man kann alles, wenn man will!“ antwortet der alte Mann seinem Enkel und schwingt sich zum Beweis in den Kopfstand. Wie viel Willenskraft sein Großvater tatsächlich ein Leben lang aufgebracht haben muss, realisiert Stefan Hertmans erst, als er die hinterlassenen Notizbücher liest, und beschließt, den Roman dieses Lebens zu schreiben. Eindringlich beschwört Hertmans Bilder einer bitterarmen Kindheit in Gent, zeigt den Dreizehnjährigen, wie er bei der harten Arbeit in der Eisengießerei davon träumt, Maler zu sein wie der Vater.
Stattdessen wird er bald als Frontsoldat nach Westflandern geschickt. Dass der Mann, der
dieses Grauen überlebt, fast am Tod seiner großen Liebe zugrunde geht, ist eines der
Geheimnisse, denen der Enkel auf die Spur kommt. Mit seiner Hommage an den Großvater ist Stefan Hertmans ein grandioser Roman gelungen.

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Pressestimmen zu Stefan Hertmans‘ Der Himmel meines Großvaters:
Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung, 16. Oktober 2014:
„Zarter, rührender ist eine Wiedererkennung, eine Überbrückung der Zeiten selten in Szene gesetzt worden.“
Stephan Wackwitz, taz, 26. November 2014:
„[M]it Hertmans’ ‚Der Himmel meines Großvaters‘ [ist] nicht nur ein schönes und lehrreiches Buch aus unserem Nachbarland zu entdecken, sondern auch etwas zu lernen über unser eigenes Verhältnis zur Geschichte des vergangenen Jahrhunderts.“
Rolf Brockschmidt, Der Tagesspiegel, 8. Dezember 2014:
„[Ein] kunstvoll komponierte[r] Roman.“
Felix Münger, SRF, 18. Januar 2015:
„[…] eine psychologische Schilderung eines Menschen, der über Jahrzehnte nach dem
Erhabenen der Kunst strebt […] ein historisches Panorama einer Zeit […] besticht durch
seine Feinsinnigkeit und seine variantenreiche, aber stets kontrollierte Tonalität.“
Katrin Schumacher, Deutschlandradio Kultur, 29. Dezember 2014:
„Hertmans versteht es, mit ganz berückenden, feinen, teils sehr derben Beschreibungen das ganz große Gemälde nicht nur einer Kindheit zu zeichnen, sondern auch die eines Milieus.“
Sigrid Löffler, RBB Kulturradio, 05. Januar 2015:
„‚Der Himmel meines Großvaters‘ ist […] weit mehr als eine der üblichen Erinnerungen an
den Großen Krieg, denn Stefan Hertmans bettet die Front-Erlebnisse seines Großvaters in
eine exemplarische Lebensbeschreibung ein, die fast das ganze Jahrhundert umspannt.“
Susanne von Schenck, SR 2 Kulturradio, 3. Dezember 2014:
„Die Lebensgeschichte seines Großvaters erzählt er mit feinfühliger und zugleich kraftvoller, bildreicher Sprache. […] Die Lektüre dieser anrührenden und tiefsinnigen Geschichte ist außerordentlich fesselnd.“
Elmar Ries, Westfälische Nachrichten, 1. Dezember 2014:
„Mit seiner Hommage an den Großvater ist Hertmans ein grandioser Roman gelungen,
schreibt der Verlag. Recht hat er.“
Hermann Wallmann, WDR 3, 1. Dezember 2014:
„Ja, Stefan Hertmans weiß, woher er kommt und wohin er will – als Enkel und als
Erzähler.“[zum Bezug auf Remarque und Sebald]
Frank Statzner, hr iNFO, 11. Dezember 2014:
„[D]ie Aufzeichnungen des Großvaters über sein Leben und den Krieg bieten genau die
Anschaulichkeit und Authentizität, die historischen Abhandlungen über diese Stoffe in der
Regel fehlen. Diese Geschichte ist mir nahe gegangen […].“
Jochen Kürten, Deutsche Welle, 15. Dezember 2014:
„[E]in höchst eindrucksvolles Buch über den ersten Weltkrieg […], ein[] große[r] poetische[r] Roman, voller Zartheit in der Beschreibung seiner Charaktere. Seine ganze Wucht erhält das Buch durch die Beschreibung des Kriegsalltags aus der Perspektive eines flämischen Soldaten.“
Johannes Schröer, Domradio, 13. November 2014:
„[…] [W]eit mehr als ein Buch über das Überleben eines Soldaten im ersten Weltkrieg. Der
Autor erzählt mit der Geschichte seines Großvaters die Geschichte eines ganzen
Jahrhunderts.“
Britta Behrendt, CULTurMAG, 15. Oktober 2014
„Hertmans hat ein liebevolles und ergreifendes Porträt eines Mannes geschrieben, der für
seinen Enkel ein stiller und verträumter Künstler war, im Krieg jedoch ein tatkräftiger Soldat.“

 

„Krieg und Terpentin“ (Oorlog en terpentijn) ist der Originaltitel dieses 2013 erschienenen Romans des belgisch-flämischen Autors Stefan Hertmans. Auf Deutsch lautet er nun „Der Himmel meines Großvaters“. Vielleicht soll das ein Anklang an „Das Jahrhundert meines Vaters“ sein, die Geschichte des 20. Jahrhunderts aus familiärer Sicht, die der holländische Journalist Geert Mak 1999 herausbrachte und die auch in Deutschland ein Bestseller wurde. Es gibt kaum flämische Autoren in deutscher Übersetzung, da mag man geglaubt haben, dass  der Anklang an einen erfolgreichen Holländer hilft. Undes stimmt: Die Bücher von Mak und Hertmans zeigen eine entfernte Verwandtschaft,
denn beide lassen die große Historie in privaten Bezügen erscheinen, als Generationengeschichte, sie spielen mit dokumentarischer, nicht-fiktionaler Form.
Doch der erste große Unterschied liegt schon in den historischen Erfahrungen:
Belgien geriet in den ErstenWeltkrieg, Holland nicht.Und um den Weltkrieg von 1914
geht es in Hertmans beeindruckender Geschichte seiner Familie zwar nicht ausschließlich,
doch ist er ihre Achse. „Es gab die Zeit vor dem Großen Krieg, und es gab
die Zeit danach“, sagt der Erzähler. Das gilt für Belgien insgesamt.
Warum das so ist, kann und sollte der deutsche Leser aus diesem wichtigen und
schönen Buch erfahren. Das Königreich Belgien war nicht am Nervenkrieg der
„Schlafwandler“ im Juli 1914 beteiligt, denn eswar ein von den Großmächten Europas
seit 1839 neutralisiertes Land. Nur wegen des deutschen Schlieffen-Plans
wurde es im August 1914 zum Kriegsschauplatz, und das blieb Belgien unter seinem
mutigen König Albert I., der allen deutschen Bündnisangeboten widerstand, bis
zum bitteren Ende 1918. Nur Verdun und die Gebiete um die Somme haben ebenso
furchtbar gelitten wie Belgien zwischen Ypern und der Yser-Front. Keines der entsetzlichen Details, die Hertmans im mittleren Teil seines Romans beschreibt, ist erfunden. Hier lässt er seinenGroßvater, einen Soldaten im niederen Offiziersrang,
als Ich-Erzähler auftreten, naturalistisch nah am schmutzigen und blutigen Kriegsalltag.
Das ist kühn, denn Hertmans muss mit der gut bekannten Kriegsliteratur der Zeitgenossen konkurrieren, mit Erich-Maria Remarque (offenkundig das Stil-Vorbild dieses Teils), Henri Barbusse oder Ernst Jünger.
Doch es gelingt ihm, ein auch im Ton glaubwürdiges Zeugnis zu erschaffen, von
dem er nahelegt, es folge originalen Aufzeichnungen des Großvaters,was in Belgien
nach dem großen Erfolg des Romans zu kritischen Diskussionen führte.
Doch war Hertmans klug genug, seinen naturalistischen Hauptteil mit zwei gleich
starken Kapiteln einzurahmen, in denen er selbst als Autor und Enkel auftritt und als
Ich-Erzähler seine eigene Geschichte mit dem Großvater und dessen Erinnerungen
und Hinterlassenschaften berichtet. Sie zeigen eine private Spurensuche, die dann
auch die Vor-und Nachgeschichte des Großen Kriegs entfaltet.
Hertmans erzählt die Geschichte seiner Familie im20. Jahrhundertumden Ersten
Weltkrieg herum also in zwei denkbar unterschiedlichen literarischen Formen, einerseits
mit dem Realismus nach Art Remarques und andererseits in einem Reflexionsmodus,
der von Ferne anW.G. Sebald erinnert, den das Buch zitiert, ohne ihn stilistisch
zu imitieren.
Dieser erzählperspektivischen Zweiteilung folgend hat der kurze, komplexe Roman zwei Hauptthemen:  den Krieg und die Kunst.

Denn der Großvater, dessen traumatische Kriegserfahrung das düstere Zentralgestirn
ist,war Sohn eines Kirchenmalers und selbst ein passionierter Hobby-Maler – darauf verweist das Terpentin im Originaltitel, den man vielleicht doch besser
beibehalten hätte. Damit ist eine atmosphärische Polarität aufgebaut, die größer
kaum vorstellbar ist. Sie spannt sich aus zwischen dem Horror von Materialschlacht
und Stellungskrieg einerseits und der geduldigen, kontemplativen, kunstfrommen Handarbeit der Malerei andererseits.
„Krieg und Terpentin“:Das ist die belgisch-zivilisierte Antwort auf Ernst Jüngers
brutale Dialektik von Schönheit und Schrecken.
In dieses Triptychon hat Hertmans die Geschichte seiner Urgroßeltern und seiner
Großeltern vomspäten 19. Jahrhundert bis in die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts
eingepasst. Es sind kleine Leute aus der Stadt Gent, überwiegend Handwerker,
durch unddurch katholisch, zunächst sehr arm, den Unbilden von Entbehrung, Überarbeitung und Krankheit so ausgesetzt, wie es in Europa die unteren Klassen der
Gesellschaft vor dem Reichwerden der Sozialstaaten überall waren.
Hertmans’ Familiengeschichte hat den Geschmack der Wahrheit, wie ihn in der deutschen Literatur zuletzt Per Leos Romanessay „Flut und Boden“ zeigte. Den Zusammenhang der
Liebe, den der Roman herstellt, macht seine bewegendste Episode fühlbar.
Der kleine belgische Soldat, Stefan Hertmans’ Großvater, darf zur Erholung von
schweren Verwundungen an der Yser-Front nach England, der verbündeten
Großmacht. Erwählt dafür die Stadt Liverpool, weil dort sein Vater, der Kirchenmaler,
einige Jahre vor dem Krieg einen Auftrag auszuführen hatte. Und zufällig
entdeckt er die Kapelle mit dem Fresko dieses mittlerweile verstorbenen Vaters. Und
siehe: Hier, in der Fremde und ohne Aussicht, dass er dabei ertappt würde, hatte
der Vater nicht nur sich selbst in einem Heiligenkopf porträtiert, sondern auch seinen
Sohn, eben den Soldaten, der sich hier wiederfindet und auf dessen Spuren ein
Jahrhundert danach Stefan Hertmans wandert.
Zarter, rührender ist eine Wiedererkennung, eine Überbrückung der Zeiten
selten in Szene gesetzt worden.
Gustav Seibt

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